Die Annke 4G LTE versorgt sich selbst mit Energie und als Netzwerkschnittstellen stehen LTE und Ethernet parat. Sie unterstützt außerdem NAS und ONVIF. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt.
Annke liefert mit der 4G LTE (I81HF) eine Outdoor-Überwachungskamera (Themenschwerpunkt), dessen 5 Watt starkes Solarpanel den integrierten Lithium-Ionen-Akku mit 10 Ah lädt, sodass man diesen unter günstigen Bedingungen nie manuell laden muss. Die Netzanbindung erfolgt entweder über LTE oder Ethernet. Mit diesen Eigenschaften ist sie vergleichbar mit den LTE-Kameras mit Solarpanel (Ratgeber) wie die bereits von TechStage getesteten Varianten Arlo Go 2 (Testbericht), Eufy 4G LTE Starlight (Testbericht), Reolink Go 4G (Testbericht) und Reolink Go PT Plus (Testbericht).
Als OEM-Fertiger von Hikvision-Kameras richtet sich Annke mit der 4G LTE (I81HF) primär an professionelle Nutzer, die Überwachungskameras für eine unternehmensweite Sicherheitslösung suchen. Dafür ist die Annke 4G LTE dank ONVIF-Support inklusive NAS- und NVR-Unterstützung perfekt geeignet.
Die Annke 4G LTE misst 245,8 × 156 × 214 mm und fällt damit gegenüber herkömmlichen Modellen sehr groß aus. Mit 1,24 Kilo ist sie zudem relativ schwer. Das ist dem robusten Gehäuse aus Metall und Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) geschuldet, wodurch die Kamera nicht nur feuchtigkeits- und schmutzabweisend sowie weitgehend resistent gegen Fette und Öle ist, sondern auch Stürme der Stärke 8 standhalten soll. Gegenüber Staub und starkem Spritzwasser ist sie nach IP66 geschützt.
Allerdings ist sie nur in einem Temperaturbereich zwischen 0 und 40° Celsius einsatzbereit – ungewöhnlich für eine Outdoor-Kamera, da die meisten Modelle wie die Reolink Argus PT im Regelfall zwischen -10 und bis zu 55 Grad Celsius deutlich mehr aushalten. Entsprechend dem relativ hohen Gewicht befindet sich im Lieferumfang eine Metallhalterung, die selbst 200 Gramm wiegt und für ein Gewicht für 2 Kilo ausgelegt ist. Dazu passende Schrauben und Dübel liefert Annke ebenfalls mit.
Für die Inbetriebnahme der Kamera sieht der Hersteller die App Annke Vision vor. Da es sich bei der Annke-Überwachungskamera aber um ein OEM-Modell von Hikvision handelt, ist sie auch mit der App Hik-Connect for End User kompatibel. Allerdings bietet die Annke-App mit Web-Configuration noch einige zusätzliche Einstellungsmöglichkeiten, die aber längst nicht alle Optionen umfassen, die über den Browser oder die Desktop-Anwendung Guarding Vision (macOS und Windows) sowie Annke Vision (Windows) verfügbar sind. Alternativ kann man auch die Hikvision-Anwendung iVMS-4200 verwenden.
Wer sämtliche Funktionen der Annke 4G LTE nutzen möchte, muss sie ohnehin per Browser oder Desktop-Anwendung konfigurieren, sodass die mobile App eine untergeordnete Rolle spielt. Ob man sich nun für die Annke- oder die Hikvsion-App entscheidet, in jedem Fall ist für die Anmeldung ein Benutzerkonto erforderlich.
An der Unterseite des Gehäuses befindet sich hinter einer mit Inbus-Schrauben montierten Abdeckung Slots für eine microSD- sowie eine Micro-SIM-Karte. Zudem gibt es noch eine serielle Schnittstelle, eine Reset-Taste sowie einen Ein- und Ausschalter.
Am hinteren Gehäuse werden die beiden Antennen montiert, die im Test für einen einwandfreien Mobilfunkempfang der Annke 4G LTE sorgen. Bereits ohne Antenne ist die Empfangsqualität ausreichend. Zudem führt aus der Mitte der hinteren Gehäuseabdeckung ein etwa 30 cm langes Kabel, an dessen Ende drei Stränge Anschlüsse für eine 5-Volt-Stromversorgung, Micro-USB und Ethernet bereithalten.
Wer neben dem integrierten 6 GByte großen Speicher zusätzlichen Platz für Videoaufnahmen benötigt, kann eine microSD-Karte in den dafür vorgesehenen Slot an der Unterseite der Kamera einsetzen. Aber auch ein NAS- oder ein NVR-System stehen als Alternativen parat.
Ein Installationsassistent in der App sowie eine englischsprachige Sprachausgabe über den Lautsprecher helfen bei der Inbetriebnahme der Kamera. Initiiert wird das Setup über das Plus-Zeichen rechts oben in der App und der Auswahl von „QR-Code scannen“. Mit dem Smartphone scannt man anschließend den QR-Code der Kamera. Nach wenigen Konfigurationsschritten (siehe auch Bildergalerie) ist die Kamera mit der App verbunden. Sofern die Kamera frisch geliefert wurde, befindet sie sich im Kopplungsmodus.
Gibt die Kamera keinen Ton von sich, lässt sich der Kopplungsmodus durch einen Reset aktivieren, der durch mehrsekündiges Drücken der Reset-Taste an der Unterseite der Kamera ausgelöst wird. Eine englischsprachige Stimme bestätigt den Vorgang mit "Reset succeded". Jetzt muss man etwa eine Minute warten, bis die LED an der Unterseite von Rot auf blinkend Blau wechselt. Sofern die Kamera noch nicht aktiviert wurde, ertönt eine zweite Sprachansage, die zum erneuten Drücken der Reset-Taste auffordert. Jetzt ist die Kamera aktiviert, was wiederum per Sprachausgabe bestätigt wird. Spätestens an dieser Stelle merkt man, dass die Annke 4G LTE ein OEM-Gerät von Hikvision ist, da die englischsprachige Stimme nun erklärt, dass das Gerät zur Koppelung per QR-Code mit der Hik-Connect-App bereit ist.
Die Kamera bietet eine Zwei-Wege-Audio-Funktion, sodass man sie auch als Gegensprechanlage nutzen kann. Die Sprachausgabe aus dem Lautsprecher ist klar, deutlich und auch laut genug.
Anders als viele moderne Überwachungskameras kann die Annke 4G LTE bei sich bewegenden Objekten nicht zwischen Menschen und etwa Haustieren differenzieren. Die Empfindlichkeit des integrierten PIR-Sensors können Anwender allerdings mit der App über Einstellungen – Benachrichtigungen konfigurieren. Die Empfindlichkeit kann man über einen Regler zwischen Niedrig, Mittel und Hoch auswählen.
Bei niedriger Empfindlichkeit übermittelt die Kamera nur Warnmeldungen, wenn Personen oder größerer Haustiere erkannt werden. Zudem kann der Erkennungsbereich durch das Zeichnen einer Fläche im Kamerasichtfeld eingeschränkt werden. Mit Anpassungen dieser Einstellungen generiert die Annke 4G LTE im Test so gut wie keine Fehlalarme. Sie erkennt Menschen und verschickt entsprechende Warnmeldungen per Pushbenachrichtigungen, bleibt aber bei Haustieren wie einer Katze stumm.
Zur Verbesserung der Bildqualität bietet die Annke 4G LTE zahlreiche Funktionen: Wide Dynamic Range (WDR), Backlight Compensation (BLC) und Highlight Compensation (HLC). Meistens kann man nur eine dieser Methoden verwenden, um Aufnahmen bei ungünstigen Lichtverhältnissen wie Gegenlicht zu verbessern.
Bestimmte Einstellungen stehen auch unter Szene parat. Hier können Anwender zwischen Normal (Standardeinstellung mit BLC oben und HLC mit Level 50), Hintergrundbeleuchtung (WDR ein mit Level 50), Frontbeleuchtung und Schwachlicht auswählen. Letztere passen zur Verbesserung der Bildqualität die Parameter Helligkeit, Kontrast, Sättigung und Schärfe an. Zudem stehen noch zwei Szenen für benutzerdefinierte Einstellungen zur Verfügung. Da die optimale Einstellung der Szenen abhängig von Jahres- und Tageszeit abhängig sind, kann man unter Bildparameterwechsel pro Monat und Tageszeit festlegen, wann sie aktiviert werden sollen.
Die Funktionen zur Steigerung der Bildqualität stehen allerdings nur über den Zugriff per Browser oder Desktop-Anwendung zur Verfügung. Mit der Anne-App lassen sich nur einige wenige Parameter wie Auflösung, Videoqualität, Datenrate und Video-Codec (H2.65 oder H.264) festlegen.
Die verschiedenen Funktionen zur Steigerung der Bildqualität sind in der Praxis relevant und erleichtern die Identifizierung erkannter Objekte bei schwierigen Lichtverhältnissen (siehe auch Bildergalerie).
Mit einer maximalen Auflösung von 2688 × 1520 Pixel bietet die Annke 4G LTE auch beim Zoomen genügend Reserven (siehe auch Bildergalerie). Allerdings fällt das Sichtfeld mit knapp 84° Grad gegenüber anderen Überwachungskameras relativ klein aus. Die Nachtsichtaufnahmen gelingen in guter Qualität.
Für die Inbetriebnahme der Überwachungskamera sind die mobilen Anwendungen von Annke oder Hikvision völlig ausreichend. Aber zur Konfiguration schöpfen sie das Potenzial der Annke 4G LTE bei Weitem nicht aus. Erst mit den Desktop-Anwendungen Guarding Vision (alternativ IVMS 4200) oder auch per Browser können Anwender die Leistung der Kamera voll ausschöpfen. Die erwähnten Funktionen zur Steigerung der Bildqualität sind dabei nur ein Beispiel.
Auch in anderen Bereichen wie Netzwerk finden Anwender umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten etwa bezüglich DDNS, Ports, NAT, SNMP, FTP, E-Mail, HTTPS, QoS und Mobilfunk. Eine Übersicht zum Datenverbrauch ist per Browser oder Desktop-Anwendung ebenfalls verfügbar. Apropos Datenverbrauch: Mit der Funktion Regions of Interest (ROI), legen Anwender einen Bildbereich fest, der für die Überwachung besonders wichtig ist. Für diesen Bereich gelten die vom Nutzer maximal möglichen Bildeinstellungen wie Datenrate, Auflösung et cetera, um ein möglichst perfektes Bild zu erzielen und Gefahren schnell zu erkennen. Außerhalb dieses Bereichs reduziert die Kamera bestimmte Parameter, sodass man ein wenig Datenverkehr sparen kann.
Was die Integration der Kamera in Smart-Home-Systeme anbelangt, gibt es gute und schlechte Nachrichten. In Verbindung mit der Annke-App können Anwender auch einen Amazon-Skill verwenden, um sie in Alexa zu integrieren. Im Test hat die Koppelung des Annke-Kontos mit Alexa zwar funktioniert, doch die Annke 4G LTE wird nicht von Alexa gefunden, obwohl man sie während der Koppelung auswählen konnte. Die Ausgabe des Livestreams auf einem Echo Show 8 misslingt also.
Dafür kann die Annke dank Unterstützung von ONVIF in Smart-Home-Zentralen mit entsprechender Unterstützung wie Homey Pro (Testbericht) oder Open-Source-Lösungen wie Iobroker problemlos eingebunden werden. Und zwar nicht nur partiell als Auslöser für bestimmte Routinen, sondern inklusive Zugriff auf die Bilddaten. Toll.
Die Annke 4G LTE bietet drei verschiedene Betriebsmodi: Volllastmodus, Energiearmer Echtzeit-Modus und Aufweck-Modus. Bei letzterem wird die Kamera nur aufgeweckt, wenn Anwender auf sie zugreifen. Den Volllastmodus sollten Anwender laut Hersteller nur zu Testzwecken nutzen. Und obwohl die Betriebsart Energiearmer Echtzeit-Modus von Annke empfohlen wird, ist er standardmäßig nicht aktiv. Stattdessen befindet sich die Kamera im Aufweck-Modus. Diesen sollte man aber schleunigst auf den empfohlenen Echtzeit-Modus umstellen, da das Aufwecken der Kamera nicht zuverlässig funktioniert.
Im Testbetrieb mit dieser Betriebsart verliert die Kamera über Nacht nur wenige Prozent Kapazität. Scheint tagsüber die Sonne, lädt das integrierte Solarpanel bei optimaler Ausrichtung den Akku komplett auf, sodass man die Stromversorgung der Kamera nur bei längeren Schlechtwetterperioden im Auge haben sollte.
Die Annke 4G LTE ist im Online-Store des Herstellers zu einem Preis von knapp 200 Euro erhältlich. Gegenüber der Original-Kamera von Hikvision spart man beim OEM-Modell von Annke einige Hundert Euro.
Die Annke 4G LTE hinterlässt einen ambivalenten Eindruck. Einerseits glänzt sie mit tollen Features, die vor allem im Hinblick auf die Bildqualität, der Einbindung in Smart-Home-Zentralen und die vielfältigen Konfigurationsmöglichkeiten hinsichtlich Netzwerk und Benachrichtigungen überzeugt. Der gute Empfang und die schnelle Reaktionsgeschwindigkeit der Kamera über LTE stehen ebenfalls auf der Habenseite. Auch das robuste Gehäuse macht einen wertigen Eindruck. Umso ärgerlicher ist, dass sie zumindest hierzulande im Außenbereich nicht ganzjährig betrieben werden kann, da sie nur für einen Temperaturbereich zwischen 0 und 40° Grad spezifiziert ist.
Mehr Informationen zum Thema finden TechStage-Leser im Themenschwerpunkt Überwachungskameras. Nützliche Informationen zur Auswahl einer Überwachungskamera bietet der Beitrag WLAN, Cloud, Solar: Überwachungskameras für innen & außen ab 30 Euro. Darin erläutern wir die wichtigsten Kaufkriterien und präsentiert die besten Überwachungskameras der verschiedenen Kategorien mit Preisen zwischen 30 und 500 Euro.
(Hinweis: Eine frühere Version des Artikels enthielt den Hinweis, dass die Annke 4G LTE auch PoE unterstützt. Das ist falsch. Sie bietet lediglich einen Ethernet-Anschluss, der aber keinen Strom transportiert.)
- Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.